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Schreibblockade

Ihr Lieben,

nein, ich haben keine Schreibblockade, sondern eher das Gegenteil. Ich habe meine Schreibaktivitäten vervielfältigt und das möchte ich euch nicht länger vorenthalten.

Ich schreibe unter anderem als Blogger für das ARTS Projekt in Dresden. Einer der zwei Blogs dazu konzentriert sich lokal auf Dresden. Ein zweiter Blog wird von sechs anderen Bloggern in Brighton, Budapest, Dresden, Genk und Stockholm mit gefüttert.

Über die praktischen Erlebnisse im Dresdner Transition und Permakultur schreibe ich mit vielen anderen zusammen auf der Neuigkeitenseite des Gartennetzwerkes Dresden.

Und manchmal schreibe ich auch für das Permakulturmagazin, dafür müsst ihr aber leider Mitglied im Permakultur Insitut e.V. sein, um das mitlesen zu können 😉

Also, wenn ihr euch fragt, was ich gerade so treibe, dann lest da mal nach 😉

Einen schönen Sommer wünscht euch

Julia

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Hallo ihr Lieben,

für die, die sich fragen, ob ich inzwischen im Marmeladentopf versunken bin… nein, sie lebt noch 😉

Ich wollte euch eine kleine Übersicht über meine überaus beschäftigten letzten drei Monate zurück in Deutschland geben.

Ich habe

Puh! Aber noch einen Tick ausführlicher der Reihe nach.

Ein paar Glücksbällchen zur Stärkung bevor es los geht ;)

Ein paar Glücksbällchen zur Stärkung bevor es los geht 😉

Degrowth-Konferenz

Die internationale Degrowth-Konferenz in Leipzig war für mich eine guter Wiedereinstieg in die ganzen Themen der Nachhaltigkeit und gleichzeitig fühlte ich mich wie auf eine Familienfeier. Über 3.000 Teilnehmer zählte die Veranstaltung, die sich in der Leipziger Uni abspielte. Ich besucht einige wissenschaftliche Vorträge, einen spannenden Austausch zwischen den Transition Towns Dresden und Leipzig mit dem Fokus auf Regionalwährung und Solidarische Landwirtschaften, saß in einem gut gemeinten aber recht schrägen Effektive-Mikroorganismen-(EM)-Workshop im schönen Gemeinschaftsgarten Annalinde und schnitt zusammen mit Fläming Kitchen kistenweise Zwiebeln und Kohl für die knapp 5.000 Mahlzeiten pro Tag geschnippelt. Hier findet ihr das aufgearbeitete Programm mit den Rednern, Videomitschnitten, Zusammenfassungen und vielem mehr der zahlreichen Veranstaltungen. Die Konferenz war saugut organisiert, es hatte eine gewisse Festivalatmosphäre.

Gleichzeitig war es aber auch recht voll, viele Menschen für recht wenig Platz. Das Programm war ebenso voll und ganze 90 Seiten lang. Da stellte sich bei mir blöderweise ein gewisses Überforderungsgefühl ein. Ich fand die Degrowth war eine gute Übersicht über all die bestehenden Initiativen, Ansätze und Menschen, die sich für eine Postwachstumsgesellschaft einsetzen. Viel Neues war für mich leider nicht dabei. Auch hätte ich mehr praktische Ansätze und eine soziale Auseinandersetzung mit dem Wandel in unserer Gesellschaft gewünscht. Aber gut. Ich fand es spannend, da zu sein und kam manchmal nicht aus dem „Hallo!“-sagen im Uni-Hof raus. Auch mal schön, nach dreijähriger Abwesenheit 😉

Entheo-Science Kongress

Der Entheo-Science Kongress in Potsdam war eine Woche darauf und trotz seines völlig anderen Ansatzes als die Degrowth, war die Botschaft, die alle Vorträge und Workshops durchzog doch erstaunlich ähnlich. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Das, was ich bei allen Rednern herausgehört habe ist, das manche psychoaktive Substanzen ein Hilfsmittel sein können, um den Menschen die Verbundenheit allen Lebens auf diesem Planeten deutlich vor Augen zu führen. Die Möglichkeit, höhere oder subtilere Energieformen bewusster wahrzunehmen und die hinter allem vibrierende Energie der Liebe zu erkennen. Das klingt jetzt für einige von euch vielleicht extrem abgehoben, andere werden mich verstehen, das passt schon so 😉 Auf jeden Fall fand ich den Kongress sehr informativ und objektiv. Dabei war auch ein Stand des wohl interessantesten Gebräuladens in der Republik, nämlich dem Zaubertrank in Hamburg. Schaut da mal rein 🙂

Permakultur-Ausbildungs-Info-Workshop

Schon eine Woche danach bin ich zum Ausbildungs-Info-Workshop der Permakultur Akademie gefahren. Der Workshop fand in dem wunderschönen und abgelegenen Harnbachtal in der Nähe von Nürnberg in der Harnbachmühle statt. Es kam mir zu Teil so vor wie in dem Film „Die Wand“. Hohe Wälder rundherum, urige Mühlen, Bäche, schräges Licht, toll. Der Ausbildungs-Info-Workshop dient dazu herauszufinden, ob man die Weiterbildung zum Permakultur-Designer machen möchte und wenn ja, wie. Also welche Ziele man sich steckt, was man wie lernen möchte und mit wem und wo und wann und überhaupt.

Ich konnte mal wieder nur die Workshopmethoden der bezaubernden Kirsten und der zupackenden Judit bewundern, die die Gruppe aus sich fremden Menschen innerhalb von zwei Tagen in eine Familie mit tiefen Tischgesprächen verwandelten. Schon dass bestätigt mich immer wieder, mich noch mehr mit sozialer Permakultur zu beschäftigen. Na ja, um es kurz zu machen… Eigentlich hatte ich vor, die Ausbildung schon Oktober 2014 anzufangen, habe aber gemerkt, dass ich noch gar keine innerlichen Kapazitäten habe, um schon wieder viele neue Inhalte und Themen in mich aufzunehmen. Ich habe mich dann also gelassen dafür entschieden, erst Februar 2015 damit anzufangen. Ich freue mich schon auf diese neue Gruppe von inspirierenden Menschen um mich herum!

Blubber! Ernte haltbar machen

Durch die Vermittlung von Sebastian und Florian von den Seitentrieben, einer Bildungsinitiative des Gartennetzwerkes Dresden lernte ich Gesine kennen, um mit ihr einen Workshop zum haltbar machen der Ernte zu gestalten. Gesine hat erst dieses Jahr den Gemeinschaftsgarten Kleiner Garten in Dresden Strehlen am Wasaplatz mit gegründet. Sie kennt sich noch viel besser mit dem Einmachen von Obst und Gemüse aus und wir waren ein super Organisationsteam zusammen. Mit nur drei Wochen Zeit und glaube ich nur drei Treffen haben wir einen sehr gut vorbereiteten und abwechslungsreichen dreistündigen Workshop im Kleinen Garten zusammengestellt und hatten trotz Nieselregen etwa 15 Teilnehmer.

Haltbarmachungstechniken in der Übersicht - Gestaltet von Gesine

Haltbarmachungstechniken in der Übersicht – Gestaltet von Gesine

Wir sammelten die Vorteile der häuslichen Haltbarmachung und erklärten die wirklich zahlreichen und interessanten Möglichkeiten um Essen vor der Ungenießbarkeit zu schützen. Wir machten eine große Probierstrecke mit selbst erzeugten Leckereien um den Teilnehmern auch die Vielfalt an Möglichkeiten beim Selbermachen schmackhaft zu machen. Von Apfel-Kornelkirschen-Mus über Apfelschmalz, eingelegte Bärlauchblüten und Extragonsirup. Insgesamt glaube ich 20 verschiedene Geschmacksrichtungen 😉 Danach kochten wir zusammen ein Kürbis-Apfel-Chutney, Apfel-Birnenkompott wurde eingekocht und die Teilnehmer setzten ihr eigenes saures Gemüse an, um die unendlichen Weiten der Milchsäuregärung kennen zu lernen. Den kurzen Bericht von Gesine zu unserem Workshop findet ihr hier. Das von uns zusammengestellte Handout zum Workshop findet ihr Handout für Blubber Workshop.

Umundu Vortrag – Das gute Leben in Melbourne

Nach dem Workshop hatte ich genügend Zeit, meinen nächsten Programmpunkt vorzubereiten. Ich hatte mich schon kurz vor (oder nach?!) meiner Ankunft aus Australien als Referentin für das inzwischen 6. Umundu-Festival für fairen und nachhaltigen Konsum angemeldet. Das Thema dieses Jahres war „Das gute leben – Was brauchen wir für unser Glück?“. Das Umundu-Festival bot dieses Jahr neben einem Wochenend-Symposium über 100 Veranstaltung die in Kooperation mit ganzen 56 Initiativen realisiert wurden. Es bewegt sich ordentlich was im Land. Fetzt!

Ich wollte meine Erlebnisse und Eindrücke aus den tollen Projekten in Melbourne mit den Dresdnern teilen. Ich stellte einen einstündigen Vortrag zusammen, bei dem ich die Zuhörerinnen auf einen virtuellen Stadtrundgang durch Melbourne mitnahm. Ich stellte ihnen einige besondere Eigenschaften der Gemeinschaftsgärten in Melbourne vor.

Danach besuchten wir Cultivating Community, die soziale Integrations-Gärten betreiben und innerstädtische Biomüllkompostierung verwirklichen. Danach stellte ich das internetbasierte nachbarschaftliche Erntenetzwerk Ripe near me vor. Dann erklärte ich die Philosophie und die Methoden der Permablitz-Bewegung in Melbourne, die private Gärten gemeinschaftlich in essbare Gärten umwandeln. Als eines meiner persönlichen Highlights habe ich natürlich C.E.R.E.S. vorgestellt und dabei dieses schöne Video vom diesjährigen Erntefest gezeigt, auf dem ich auch war. Das Video dazu findet ihr hier.

Für den Vortrag waren vielleicht 40 Leute da und ich habe offensichtlich einige mit den Projekten inspiriert (was ja mein nicht sehr geheimes Ziel war 😉 ). Die Diskussion im Anschluss war auch spannend. Den Vortrag findet ihr hier: Das gute Leben in Melbourne.

Marktstand des Gartennetzwerkes beim Umundu-Festivalmarkt

Gleich am nächsten Tag nach dem Vortrag war der Umundu-Festivalmarkt in der Johannstadthalle, zu dem ganze 1.300 Besucher kamen um sich die über 30 Austeller von lokalen Nachhaltigkeitsinitiativen anzuschauen. Gesine und ich hatten mit Leuten aus dem Gartennetzwerk Dresden einen schönen Marktstand organisiert, bei dem wir alle möglichen Muse, Marmeladen und Chutneys, Saatgut, Honig aus dem Johannstädter Gemeinschaftsgarten gegen Spende abgaben. Eine große Karte von Dresden mit allen 12 bestehenden Gemeinschaftsgärten der Stadt hing auch und zog viele Neugierige an, die schauen wollten, ob einer in ihrer Nähe ist. Es war ein schöner Markt, mit Live-Musik und gutem Essen, netten Menschen und Feierlaune.

Pressefoto des Umundu-Festivals 2014

Pressefoto des Umundu-Festivals 2014

TUUWI Ringvorlesung – Gemeinsam bauen mit Stroh

Viel Zeit zum Ausruhen hatte ich nicht, denn schon drei Tage danach stand mein Vortrag zum gemeinschaftlichen Bauen mit Stroh in Kooperation mit Roswitha Kugelmann vom Sozialkaufhaus Augsburg auf dem Programm der TUUWI Ringvorlesungreihe „Wer im Treibhaus sitzt, sollte nicht mit Kohle werfen“. Ich stellte in der halben Stunde meiner Redezeit die Vorteile von Stroh als Baustoff vor und erzählte dann von unseren zwei Strohballenhausbaustellen in Südaustralien und in Tasmanien.

Außerdem habe ich noch ein paar Worte zu den Freiwilligennetzwerken WWOOF und The POOSH gesagt, die ja zum Teil zu diesen Erlebnissen beigetragen hatten. Den Vortrag findet ihr hier: Gemeinsam Bauen mit Stroh.

Die etwa 80 Zuhörerinnen der Ringvorlesung hörten gespannt unseren zum Teil schrägen Baustellenerlebnissen zu und viele hatten noch nie etwas von Strohballenhäusern oder Gemeinschaften wie Sieben Linden gehört. Also, mal wieder spannende Aufklärungsarbeit geleistet. Bei der Recherche für diesen Vortrag hab ich auch den Trailer von dem Film „Stroh im Kopf 2“ gefunden, der neben den Strohballenhausselbstbaustellen auch den Bau eines fünfstöckigen High-End-Strohballenhauses in Niedersachsen mitverfolgt. Der Trailer dazu ist hier.

Blogger beim ARTS Projekt

Schon drei Tage nach meiner Ankunft hatte ich mich für eine Stelle als Citizen Blogger in dem wissenschaftlichen Projekt ARTS – Accelerating and Rescaling Transitions to Sustainability der Instituts für ökologische Raumentwicklung in Dresden (IÖR) beworben. Das europaweite Projekt möchte herausfinden, wie bestehende lokale Initiativen für Nachhaltigkeit den ganzheitlichen Wandel in der Gesellschaft hin zur resilienten Zukunftsfähigkeit beschleunigen können. Dazu werde ich den nächsten Blogs sicher immer mal verweisen. Auf jeden Fall schreiben ich und noch zwei weitere Menschen aus Dresden über die Geschehnisse im Projekt und die Bewegungen in Dresden auf einem städtischen Blog für Dresden und auf einem europäischen Blog, bei dem andere Citizen Blogger aus Brighton, Genk, Stockholm und Budapest schreiben. Wenn die Blogs online gegangen sind, werde ich das hier auch veröffentlichen 🙂

So, das reicht als denke ich als ein Eindruck darüber, womit ich mich in den letzten drei Monaten beschäftigt habe 🙂 Ihr seht, mir ist nicht langweilig geworden und ich habe den unweigerlichen Kulturschock und den Schock des Zurückkommens gut mit sinnvollen Dingen gefüllt und habe das Gefühl, ich bin schon wieder ziemlich gut drin, im Flow 😉 Das nächste Jahr winkt schon jetzt mit vielen spannenden Projekte und Menschen. Ich freue mich drauf!

Ich drück euch alle ganz doll und freue mich über eure Kommentare und Neuigkeiten 🙂

Alles Liebe,

Julia

My dearest friends,

You might have wondered what we did in the last five months. Well, basically we did four things. We built a house, had a holiday in Tasmania, got married and I went back to Germany. 🙂

But first things first. We built a house. We built a straw bale studio for our housemate Kim on his parent’s property in Northwest Tasmania. On a beautifully revegetated former 40 acre farm with hundreds of native birds and paddy melons we had found a nice spot for a little 10 by 5 meters studio. It lies nicely sheltered from the strong winds, facing an open paddock to the north. We used passive solar design to minimize heating needs in winter meaning that the main windows are orientated to the sun in the north. The straw bale building technique we used was quite similar to the one we used in the Cozy Cottage at The Food Forest. We built a timber frame structure which carries the roof with the walls in filled with compressed and rendered straw bales, windows and a cob wall. As it was clear from the beginning, that we could never do this with just the three of us (Kim, Matze and me) we organized a work party for it. In a work party people with or without building skills come to work on your project, in exchange for food, accommodation and the skills they learn by working with you. Other than a workshop, none of the helpers have to pay money and there are no theoretical lectures about what’s happening. So we made some flyers, created a Facebook event and activated the bush telegraph 😉 Gallinula Studio Flyer

We were surprised about how many people were eager to help and didn’t even mind crossing the Bass Strait for us! In peak times we had up to 25 people from at least 7 different countries working and living happily together, despite the nights getting colder and the mud getting stickier… I had taken the job as a camp mom in advance, so I made myself responsible for the design of the camping space, the social design and very importantly the food! I made an estimated plan of how much basic ingredients we will need to make our own bread, yoghurt, drinks, meals and pastries for roughly 20 people, three meals a day for a full months… and then we went shopping! We used the great food wholesalers in our suburb Brunswick to by 5 kg of raw almonds, 25 kg of brown sugar, 10 kg of rice… you name it! Big fun 😀 Matze and Kim then went down to Tassi about two weeks before me and took maybe 50 kg of food with them on the ferry.

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When I went down I spent a week full of preparation, making big lots of hummus, Adzuki bean paste, muesli, granola, sprouting, testing and getting used to the kitchen. Then all these amazing people came and in about week 2 it all developed its own momentum and the building went up so fast, that every time I went to have a look at it, I could hardly believe the progress in one day. In the kitchen I got help from the amazing Bec, who is a founding member of the famous Mud Girls in Canada and saved me from a burn out between the pots. Notice to myself: Never again try to cook every meal and do all the cleaning for more than 15 people and longer than a week alone. Bad idea. Bec was greatly experienced from dozens of building workshops she has participated, organized and conducted and it was a sheer pleasure to be super creative with her in the food department. She also helped me implementing some organizational structures, which made living together in this big group much smoother. Also Anna, one half of our amazing Dutch friends Anna and Wieger aka the Bike punks, was helping me a lot in the kitchen and together we awed people every day with our tasty creations. Surprisingly people stayed longer than they intended 😉 It was a bit crowded at times, but everything worked out fine. After one month, at the end of April, the weather finally decided to turn into winter and it got colder and wetter. As we had planned we decided to stop the build at that point and to leave the finishing of the render and the windows until the next spring.

 

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Kim will be the organizer next time and he might organize the finishing of the build in a different way. I hope he is up to the challenge and finds support from our friends. Sure is, we wouldn’t have come so far without all the enthusiastic help from so many people we can call friends now through this binding experience. We build a beautiful house from foundation to roof to walls with almost no heavy machinery and just a handful of professionals, indirectly teaching people, what building, eating healthy and living together means. Sounds like a Win-Win-Win to me. I definitely learnt a big deal about myself, workshop organization, group dynamics and cooking amazing stuff for a lot of hungry mouths 😀

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After that, Matze and I were quite exhausted so we decided to go for a holiday on beautiful Tasmania. Together with David, Damo and Daniele we first went to the very touristy but stunning Cradle Mountain, where the wind blew snowflakes in horizontal lines, paused by glittering rainbows in between. Then we made a two day walk into the alpine region of the Walls of Jerusalem, an area that reminded me of the swamps before Mordor in Lord of the Rings… just without the dead bodies underwater 😉 It was stunning and freezing, so Daniele and I decided to just do half of the walk and sleep on a camp site a few hundred meters lower. Matze, Damo and David took the challenge and camped in a mountain hut, disturbed by a humungous possum at night and blended by fresh fallen snow in the morning. They were quite happy, when we met again the next day.

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Matze and I then travelled further alone in a rented car. We went through the seemingly deserted middle of Tasmania, in island as big as almost Germany, with the inhabitants of Berlin spread all over. It really feels, like you are at the end of the world… because basically, you are! 😀 And it is so beautiful there! Tasmania has probably the clearest air on the planet, constantly cleansed by the Antarctic winds blowing over it. A big portion of Tasmania is still native primeval temperate and cold rainforest, which was never cut down. In some of the forests, all trees around you are hundreds of years old, mushrooms and lichens in all sorts of shapes and colors everywhere. It is hard to find the words to describe how that feels. It is certainly a feeling that you cannot experience in middle Europe, probably even in whole Europe. A forest this pristine leaves you humbled, like a walk into the high mountains or like contemplating a massive waterfall. These forests need all the protection they can get, as greedy investors try to transform this “useless timber” into woodchips for paper making in China and then want to replace the once rainforest with dead plantation forests. Thankfully there are people like Erik and Lisa, also friends we met through our straw bale house, who actively fight for the protection of the forests in Tasmania. We also met Anna and Wieger again in Tasmania’s capital Hobart, were we spent a few relaxed city days, before we celebrated Matze’s birthday in the very hippie-style Cygnet. Finally we went onto Bruny Island, an island from the island from the island. We tried its delicious seafood, artisan cheeses and chocolates and discovered the Adventure Bay, where Captain James Cook landed the first time in Australia and where nothing except Antarctica lies behind the waves. After two very relaxed weeks of driving around Tasmania, getting more than 9 hours of sleep per night again and stunning landscapes, we said Goodbye to this little island at the end of the world and went back to marvelous Melbourne.

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In Melbourne we reconnected to our friends there after being away for over two months and I went back to volunteering in the propagation section in C.E.R.E.S. What followed were two really relaxed months. Matze worked a bit, I did a bit of gardening (homegrown purple broccoli and giant cauliflower made me proud) and we both prepared for our next big adventures: Our wedding and me going home. Both are kind of connected, because while Matze still feels like travelling and likes to change places and environments often, I feel different about that now. I figured in the last years that there is definitely a lot to learn living this way and it had taught me invaluable lessons. I also learned though, that it is quite tiring for me to constantly adapt to new situations and that I’m more of a network person. I love to have my friends and my books around me and unfortunately, none of these can be stuffed into a backpack… So our long stays in Sapney, farms and finally in Melbourne have all been compromises between Matze’s and my way of travelling and living already. But one challenge always remained: The way back home. While Matze likes the idea of doing part of that by boat, bike, bus, with a little bit of working here and a little bit of action there I didn’t feel like spending much time for the way back myself. You could also say that I’m just tired of travelling now. After almost 3 ½ years, six countries, three continents, travelling thousands of kilometers and meeting hundreds of people I feel like going home. Wherever home is now. On the other hand, Matze and I still want to spend our lives together. So about a year ago, Matze suggested an unthinkable solution: Let’s get married. Let’s promise each other to not loose each other while we are giving ourselves the freedom to do what feels right for each of us. It took me a while to adapt to that thought, as I never wanted to get married 😉 But in the end, it is a beautiful thought and probably the best reason to marry anyway. So after an exhausting day building the straw bale studio in Tassi I suggested that we get married. We get married in August and then I’ll fly home.

Our wedding was just beautiful and all felt like it was meant to be. We invited our many colorful friends from all walks of life, booked a nice little room in the heart of C.E.R.E.S. as the venue and wrote down “our story” so people get an idea of what happened to us before we met them. I found my wedding dress and shoes in the second hand shop, the simple silver rings we bought the day before the wedding in a shop on Victoria Market, the flower decoration was sweet smelling Jasmine, picked from the fences of Brunswick and our celebrant was Amber, a good friend of ours and a comedian from Canada. Matze and Anna went dumpster diving for food, which they then transformed together with Francesca into a delicious Buffett for our 50 guests. David, our Swedish friend and housemate spent three days making an incredible double-story wedding cake, which we enjoyed after the ceremony. All our friends helped to set up the tables and chairs in the venue and we all sat down for a feast. Our little ceremony began. We started with a little game, trying to catch a cherry with the mouth. Then we told people our story, first as a little play and then with a little film I composed out of pictures from us.

After that we played the shoe game, where we had surprisingly matching answers, according to the audience 😉 Our best mates Kim and Wieger and bridesmaids Francesca and Anna joined us and Amber did her funny and honest speech about being together and loving each other. Then came the most exciting part for me: We read our wedding vows to each other. It is quite something to tell your deepest feelings to the one you love in front of other people you love. It is quite magical and really overwhelming. It feels like the love just multiplies instantly and swaps everyone’s façades and fears away. After we exchanged the rings I can just remember hugging everyone in the room at least twice and smiling until my jaws hurt… and beyond that 😀

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After this incredible event called our wedding, we went to a marvelous honeymoon, gifted to us by our friends. They all had chipped in so that we could spend a night in a super luxurious cabin with fireplace and massive hot tub in the woods of the Dandenongs. The Dandenongs is the mountain range Southeast of Melbourne and full of towering gum trees and my beloved fern trees. We enjoyed the train ride to the end of the line in Belgrave where we got picked up by Donna, who dropped us at our cottage. When we arrived the fire was burning and the hot tub was warm so after months in a not insulated house in the winter of Melbourne we spent the rest of our time there running around naked and soaking in the tub 😀

But the sad part of me leaving was always with us, walking next to us for the last months. So after our trip to the cabin it was inevitable: I’m flying home. Tomorrow. I don’t know why we seem to always do these things, combining the most emotional events close together. In this case it was my choice to do so. It was tough nevertheless. After the emotional high and me feeling deeply connected to Matze we had to say Goodbye to each other, I had to say Goodbye to all my friends in Australia and to my “old life” all at once. Just crazy… if you ask me 😀 Well, somehow we made it and I took the long flight home, without sleeping, crying a bit und being exited about what there is to come in the new and next chapter of my life.

I didn’t wanted to come home in winter and being back in my hometown Dresden I see that that was a good choice. I arrived just in time for the harvest season. Everywhere I look I see food ripening on trees and shrubs, foods to swap with neighbors and food for free in public spaces. It will be a long and productive autumn. I’m strangely heartbroken and also strangely fresh. Come whatever may.

I love you all,

Julia

Hello friends,

to cut a long story short here just a few impressions from the diversity of yields – and ways to have fun – in our 400 sq m backyard in the city. It also shows you what we do at least a couple of days a week: Harvesting and preserving. Next to preparing a straw bale studio work party in April in Tasmania… but more on that later 😉

No matter if it is the kilos of tomatoes, the zucchini glut, basketloads of all sorts of beans, eggplants in all colours and shapes or figs fresh from the tree… we eat, process and preserve it. Just the honey only had to be harvested by Hermann and me… But see for yourself:

Happy late summer greetings!

Julia :)

Hallo ihr Lieben,

keine lange Rede diesmal, sondern nur ein paar Eindrücke der vielfältigen Erträge – und Arten Spaß zu haben – in unserem 400 qm großen Stadtgarten. Es soll euch auch zeigen, was ich zur Zeit (neben den Vorbereitungen für eine Strohballenhaus-Work-Party im April in Tasmanien… dazu später mehr 😉 ) mindestens ein paar Tage pro Woche mache: Ernten und Verarbeiten.

Ob es die Kilos an Tomaten, die Zucchinischwemme, die Körbe voller Bohnen, die Auberginenvielfalt oder die frischen Feigen vom Baum sind, alles wird verarbeitet, gegessen oder haltbar gemacht. Nur den Honig mussten Hermann und ich eigentlich nur ernten… Aber seht selbst:

Frohe Grüße aus dem Spätsommer!

Eure Julia 🙂

Hallo ihr Lieben,

dieser Artikel ist das Resume eines Kurses, an dem ich hier im australischen Frühling in Melbourne teilgenommen habe. Und mein Fazit beginnt so…

Seit Dezember 2012 bin ich nun schon in Australien, dem Roten Kontinent, dem Geburtsland der Permakultur. David Holmgren beschreibt sein Heimatland eher nüchtern: „It could be argued, that Permaculture is Australia’s most important intellectual export“. Frei übersetzt, “Permakultur ist wahrscheinlich das wichtigste intellektuelle Exportgut Australiens“.  Nach über 13 Monaten hier stimme ich ihm zu.

Permakultur in Australien ist deutlich weiter fortgeschritten und reifer, als ich es bis jetzt andernorts erlebt habe. Das steht zwar im Kontrast zu der auch hier vorherrschenden Wegwerfkultur und Konsumgesellschaft, wo in den meisten Staaten das Pfandsystem für Flaschen noch nicht erfunden wurde und Doppelglasfenster so häufig anzutreffen sind wie ein Schnabeltier… so gut wie nie. Andererseits gibt es hier öffentliche Stellenausschreibungen für Permies, Hochburgen der Permakultur und des nachhaltigen Zusammenlebens. Melbourne ist eine davon. Hier habe ich mich seit sechs Monaten niedergelassen und mich in „die Szene“ gestürzt.

Ich arbeite unter anderem ehrenamtlich für C.E.R.E.S., was für „Centre for Education and Research in Environmental Strategies“ steht und ein preisgekröntes Zentrum für Nachhaltigkeit und Bildung mit 4,5 ha Land ist… und eine ehemalige Müllkippe. Über die Jahre entwickelte sich aus dem ehemaligen Schandfleck der wohl bunteste Park der Umgebung. Heute kann man hier im Bioladen einkaufen, sein Fahrrad reparieren lernen, Bücher kaufen, den Hühnern, Bienen oder den zahlreichen Schulklassen zuschauen, im CO2-neutralen Café entspannen, schöne Räume in Passiv-Solar Häusern mieten, zu Konzerten und Vorträgen gehen oder die wirklich fantastische Permakultur-Baumschule und Gärtnerei besuchen und versuchen, vielleicht diesmal nichts zu kaufen… Und man kann Seminare machen. Von einem dieser Seminare möchte ich hier berichten.

Vierzehn Wochen lang erwartete ich freudig den Donnerstag, denn da hieß es CUFC! Complete Urban Farmer Course – Vollständiger-Stadtlandwirtschaftsbauern-Kurs sozusagen. Mit zehn anderen Menschen wollte ich mich zum versierten Stadtbauern ausbilden lassen. Unser Trainer Justin Calverley leitete uns durch die meisten Themen, während manche Spezialgebiete von anderen erfahrenen Food-Fanatics moderiert wurden. Justin avancierte durch seinen umfassenden Erfahrungsschatz und an Fukuoka angelehnte Gärtnermethode schnell zu einer der Stimmen in meinem Kopf und meine Mitbewohner und -gärtner hörten nicht nur einmal „Justin hat gesagt…“.

Der Kurs begann mit einer „Einführung in Permakulturprinzipien“ und der wiederholten Erkenntnis, das Beobachten vor Handeln steht, um viel unnötigen, teuren oder gar schädlichen Aktionismus zu vermeiden. Weiter ging es mit „Biologischem Obstanbau“ und dessen Möglichkeiten in der Stadt. Stadtbauern können völlig mobil sein mit Apfelbäumen in Töpfen, platzsparende Spaliere statt öde Zäune pflanzen und auf jeden Baum mehrere Varianten veredeln. Mit der richtigen Sortenwahl, dem richtigen Wurzelstock und Schnitt sind die kreativen Möglichkeiten sprichwörtlich befruchtend groß. In der dritten Session widmeten wir uns dem Herzstück jedes Gartens, dem Boden. In „Erden und ihre Handhabung“ diskutierten wir über das Pro und Kontra des Umgrabens, machten Bodenanalysen und bauten ein No-Dig-Gartenbeet, also ein neues Beet ohne Spaten. Unser Beet haben wir an dem Donnerstag darauf bei dem Thema „Biologischer Gemüseanbau, Ernte und Lagerung“ auch gleich bepflanzt und dabei versucht, Fruchtfolgen vorauszuplanen und möglichst günstige Mikroklimata mit den Pflanzen für die Pflanzen zu schaffen. Denn anders als man es vielleicht erwarten würde, ist die Sonne in Melbourne besonders im Sommer zu stark für viele Gemüsepflanzen, so dass Halbschatten heiß… ähm, kalt begehrt ist.

Das fünfte Thema stellte eines meiner persönlichen Höhepunkte dar: Bienenhaltung. Mit dem Bienenliebhaber Lyndon Fenlon von Urban Honey Co. verbrachten wir einen abenteuerlichen Tag, bei dem mir mehr als einmal die Kinnlade abzufallen drohte. Lyndon erzählte uns von dem spektakulären Verhalten eines Bienenvolkes, auch Bien genannt. Bienen können Raumdimensionen erfassen und vermessen, Gesichter erkennen und sich merken, detaillierte Richtungsanweisungen geben, ihre eigene Königin verehren oder auch nicht (dann töten sie sie gemeinschaftlich…), betreiben ihre eigene Klimaanlage, sprechen verschiedenen Sprachen (können aber auch andere lernen) und produzieren zu allem Überfluss auch noch diese sagenhaften Substanzen namens Honig, Pollen, Propolis, Gelée Royal und Bienenwachs, von denen die Wissenschaft immer noch nicht alle Zutaten kennt. Außerdem hängt etwa jeder dritte Bissen, den wir so zu uns nehmen, von der Bestäubung durch Bienen ab. Mit all diesem faszinierenden Wissen stellten wir uns anschließend über den geöffneten Bienenstock und suchten nach der Königin. Dieser Tag hat mich dazu inspiriert, das Bienenvolk eines Freundes im Garten hinter unserem WG-Haus in Melbourne aufzustellen und jeder Gang zum Bien ist ziemlich aufregend (aber immer schön ruhig bleiben dabei…).

Dagegen klangen die beiden nächsten Themen, „Hühnerhaltung“ und „Kompost, Wurmfarmen und Dünger“ fast schon banal… Interessant war es trotzdem, denn Hühner gibt es in unterschiedlichsten Varianten und für jeden Garten und Zweck. Und ich lernte, dass auch Hühner sich unterhalten und so enge Freundschaften miteinander haben können, dass wenn eines von ihnen stirbt, das befreundete Huhn vor Kummer auch stirbt. Ein Aha-Effekt beim Kompostthema war, das Justin seine Küchenabfälle generell nur den Würmern gibt und aussließlich Gartenabfall kompostiert wird. So zieht der Kompost keine nagenden Mitbewohner an und Justin bekommt kostenlosen Dünger von seinen Würmern. Seitdem steht auch eine selbstgemachte Wurmkiste in unserem Garten.

Nachdem wir über die Wurmvermehrung aufgeklärt waren, lernten wir in „Pflanzenvermehrung“ wie man aus einer Pflanze sehr, sehr viele Pflanzen machen kann, ohne auch nur an Geld zu denken. Wirkliche Selbstversorgung also. Das setzte sich fort in einem weiteren Glanztag dieses Kurses: “Pilze“. Pilze waren die ersten Lebewesen, die den Ur-ozean in Richtung Festland verließen und ohne Symbiosen mit Pilzen wäre der Landgang der Pflanzen vermutlich nicht möglich gewesen. Sauerstoff wäre damit auch Wunschdenken geblieben. Pilze vernetzen alles Lebendige. Eine Art biologisches Internet, das sogar registriert, wenn jemand auf ihm herumtretend den Wald durchstreift. Und essen kann man einige Vertreter bekanntlich auch, wobei viele davon auch noch medizinisch hochwirksam sind. Unser Trainer Todd Mansfield von Fungi Culture verkauft selber Pilzbrut, zeigte uns aber – der Selbstversorgung wegen – ganz begeistert, wie man seine eigenen Pilzkulturen aus gefundenen oder gekauften Pilzen heranziehen und am Leben erhalten kann. Damit kann man diese Urzeitwesen besser verstehen lernen und frische, außergewöhnliche Bio-Pilze genießen.

Pilzbrut-Babies

Pilzbrut-Babies

Ein ganz anderes Thema folgte in der Woche drauf, denn es ging um „Aquaponik“. Aquaponik verbindet Techniken der Fischzucht in Aquakultur und der Kultivierung von Gemüse in Hydrokultur in einem (fast) geschlossenen Kreislauf. Bis auf das Fischfutter muss man (theoretisch) nichts hinzufügen, die Fische produzieren den Dünger für die Nährlösung der Pflanzen und können mit diesen zusammen „geerntet“ werden. Oder auch nicht. Ich hatte meine Schwierigkeiten mit diesem Thema, denn Fischwohlfahrt ist es nicht unbedingt und Essen ohne Erde zu erzeugen finde ich immer eher traurig als fortschrittlich. Ich zähle Aquaponik zu den städtischen Überlebensstrategien, bevorzuge jedoch Andere.

Aquaponikgärtner und -gewächshaus

Aquaponikgärtner und -gewächshaus

Richtig lecker wurde es dagegen beim Thema „Haltbarmachung“, wo wir mit Kate und Wendy von The Urban Pear alles von Chutney, Marmelade, Sauerkraut, Pesto, Pickle bis hin zu den legendären Kohl-Chips selber herstellten und so einen köstlichen Überblick über die vielfältigen Varianten der Haltbarmachung bekamen. Ein ebenso wichtiges Thema der Erhaltung folgte mit „Saatgut sammeln und lagern“, ein Thema, was mir zur Zeit besonders am Herzen liegt. Denn der Verlust an lokal angepassten, freien bzw. unpatentierten und samenechten Sorten schreitet schnell voran. Aufgrund dessen gibt es auch in Australien große dezentrale Saatgut-Sammel-Netzwerke sowie Firmen und Vereine, die sich für den Sortenerhalt einsetzen, Samen vermehren und verkaufen. Eine ziemlich vollständige Liste für die weltweiten Saatgutsammler unter euch gibt es hier. Saatgut selber sammeln ermöglicht es mir, den ganzen Lebenszyklus einer Pflanze zu erleben, so dass ich über Kopfhöhe blühende Möhrenpflanzen bestaunen kann. Die Bienen im Garten freuen sich übrigens auch darüber.

Da nicht alle Tiere im Garten dem Gärtner so nützlich erscheinen wie die Bienen, befasste sich der nun inzwischen schon 13. Kurstag mit „Schädlings-, Krankheit- und Wildkrautmanagement“. Erstaunlich war hier, dass man die meisten „Unkräuter“ nicht nur essen kann, sondern, dass sie oft noch nahrhafter sind als das vielgepflegte Gemüse. Wildkräuter bieten Nahrung und Wohnraum für zahlreiche „Nützlinge“, für die man sich am besten auch noch eine gewisse Population an „Schädlingen“ im Garten hält… Justin’s Empfehlung war, bis zu einem zehnprozentigen Verlust an Nutzpflanzen gar nichts zu unternehmen. Das zählt zu dem fair share der Permakultur und erhält einem die schon erwähnten Nützlinge. Ab 25% Schädigung rät Justin zu seiner effektivsten Waffe: Daumen und Zeigefinger. Und erst wenn es nach einer möglichen Schädigung von 50% aussieht, sollte man zu hausgemachten Abwehrmitteln greifen. Um aber einem drastischen Befall vorzubeugen gilt es – und damit schließt sich der Kreis – gesunden Boden für gesunde Pflanzen zu schaffen, die frei von Mangel oder Krankheit sind. Gesunde Pflanzen nähren gesunde Gärtner, die auch frei von Mangel und Krankheit sind. Glückliche Menschen.

Um sein Glück mit anderen Gärtnern zu teilen, ging es in der letzten Session um „Gemeinschaftsgärten, Solidarische Landwirtschaft und Tauschkreise“, wobei man entweder mehr Raum zum Gärtnern und Kontakte knüpfen findet, Bauern direkt unterstützt und ohne Mittelsmann lokale Produkte erhält oder die Zucchini-Schwemme des heimischen Gartens durch den Tausch gegen ein paar Bohnen kulinarisch ergänzen kann.

Nach 14 Wochen endete dieser sehr inhaltreiche, praktische und umfassende Kurs leider Mitte Dezember und wir Teilnehmer treffen uns seitdem unregelmäßig zum Pilzbrutvermehren, Saatguttausch und Gartenplausch. Das Design des Kurses fand ich hilfreich, um die Vielfalt der Informationen aufnehmen und verarbeiten zu können. Denn nach jedem Kurstag war Zeit genug, sich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen oder gleich loszulegen. Durch den praktischen Anteil des Kurses gab es fast jedes Mal etwas mit nach Hause zu nehmen oder auszuprobieren. So sammelten sich während des Kurses bei mir stecklingsvermehrte Pflanzen, selbstgemachte Marmelade und selbstvermehrte Shiitake-Pilzbrut und wir füttern seitdem einen „anständigen“ Komposthaufen, unsere Würmer und natürlich die Bienen. Es standen die praktischen Inhalte im Vordergrund, anders als bei einem PDK, wo es meiner Erfahrung nach mehr um den Designprozess, aber besonders um eine Veränderung der Denkweise und eine neue Gruppenidentität geht. Ob ich euch rate, für diesen Complete Urban Farmer Kurs nach Melbourne zu kommen? Sicher nicht! Aber es soll eine Anregung zur Nachahmung sein 😉

Viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren, auf frohes urbanes Gärtnern!

Alles Liebe,

Julia

Für den deutschen Artikel klick einfach hier.

Hello everyone!

Now that I’m so in the flow of writing, I will just go on and tell you about the events of the last six months. The last half year we were (and I still am) in the city with four seasons per day: Melbourne.

Die Straßen von Melbourne - Melbourne's streets

Die Straßen von Melbourne – Melbourne’s streets

After we had come to Melbourne together with Tom, another WWOOFers from the Food Forest, we had to first figure out how to survive in this thing called CITY again. After more than six months country living that wasn’t such an easy task, especially because we simultaneously wanted to find a nice room, jobs, friends and Permaculture. But, first things first…

We found a place to stay after we visited about 12 houses in four weeks. Among these were houses, where it rained into the living room and houses in which we would have paid AUD$ 200 for a room per person and week … pretty tricky, this real estate business here. Ok, we also wanted to have a garden and live together with not only 19-year old Germans, so we were a little bit picky. 😉 Following the advice of a friend I had a look at Airbnb, where one can find rooms for short terms stays. One of the houses in the suburb Brunswick looked interesting and I asked the owner Kim, if we could also stay for well oh well say 5 months. After a chat with him in the huge (!) vegetable garden Matze’s, Kim’s, and my gut feelings said the same and we moved – at last – after four weeks out of a hostel and in with Kim. Another permanent housemate is Ryo, a chef from Japan and Ren, Ryo’s nervous little dog. And finally we had a garden where I could really get my hands dirty. Great joy!

Ren und ich in der Hängematte - Ren and me in hammock

Ren und ich in der Hängematte – Ren and me in hammock

After a week Matze already found work with an architect who wanted to expand his office building and needed a carpenter and craftsman. I always envy him when he finds work so quickly. I am not so lucky – and picky – with work here, but I already worked with a landscaping company and do some gardening for private clients. Once I helped at the booth of THE Permaculture company in Melbourne, VEG – Very Edible Gardens. VEG offers Permaculture design and implementation, in addition to books and workshops. Here I was able to explain to the visitors the design of a mobile orchard with integrated chicken run and could convince many people that you can even grow veggies on a balcony.

Finding friends took a while, partly because Sarah we knew from Perth, was busy with her work and we hardly met. But getting to know people went especially with me hand in hand with the last point: Permaculture! Only after two weeks in Melbourne I had already explored two community gardens in Melbourne, „VegOut“ in St. Kilda and Collingwood Childrens Farm community garden and began to work at C.E.R.E.S.

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C.E.R.E.S. stands for „Centre for Education and Research in Environmental Strategies” and was founded in the eighties based on a former landfill. The vision was to create a place for community projects, jobs, and gardens. Nearly 30 years later the landfill has become an oasis with markets, shops, cafes, ponds, community gardens, playgrounds, chickens and much more. In my first week in Melbourne I had applied to become a volunteer in the propagation area in C.E.R.E.S. and was  approved 😉 Here I worked one to three times a week under the supervision of Meg and Olivia, who coordinate the volunteers and instruct newcomers. Here I learned how to sow seeds, thin seedlings, propagate plants from cuttings and root cuttings and got to know the fascinating vegetable variety in Australia. So in spring we seeded not less than 30 different varieties of tomatoes! In addition to the technical skills I learned here, I could also observe a system of well-designed workflows. For though the work is done mostly by lay people and newcomers, there are seldom mistakes and everything is easily explained. In addition, of course, mostly free organic heirloom seed varieties are used and the seedlings that are thinned out are thrown to the chickens next door as microgreens. Another great advantage of my work here is that the plants which cannot be sold in the nursery can be taken home by the volunteers. This extremely enriched our garden and so we managed to have at least 13 different varieties of tomatoes! 😀 And of course I got to know a lot of like-minded people here.

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And this brings me to the heart of my endeavor in Brunswick a.k.a. Melbourne… the garden. Our district’s name Brunswick comes from the former German immigrants who called the place Braunschweig. Funnily enough, other neighbors of ours are Coburg, Heidelberg and Altona! In the 50’s Brunswick was exclusively inhabited by Greeks and Italians, which gives us the blessing of extremely good food shops in our area. Nowadays it hosts many Lebanese, Turks and Afghans as well, which only extends the range of delicacies! Especially the Greek and Italian immigrants tended packed vegetable gardens, because much of what they were used to eat was just not known in Australia then. So they taught the „English“ Australians how to eat broccoli, endives and eggplants. Many houses in Brunswick still have gardens… and I think in our street we own the largest! 😀

Wir haben auch die größten Sonnenblumen! - We also have the biggest sunflowers!

Wir haben auch die größten Sonnenblumen! – We also have the biggest sunflowers!

Kim had already used the garden for years and when we moved in there where the broad beans, rhubarb and heaps of silver beet growing. I had hoarded a few seed packets, so that soon a variety of lettuces, radishes and carrots sprouted in the ground. As we slowly approached the Australian spring, Matze and I made several no-dig potato beds. For this newspaper is simply placed on the lawn, the seed potatoes are laid onto it at the proper distance and are then covered with alternating layers of straw and manure. It worked fine and we now grow six different varieties of potatoes this way. Through my work at C.E.R.E.S. and – do the disadvantage of my savings – it’s fantastic Permaculture nursery, many new plants and seeds were added, so that we now grow yellow peppers, purple peas, white eggplants, yellow scaloppini squashes, different kinds of sweet corn, a mint collection, different chilies, monster sunflowers and at least three different varieties of cucumbers. Except for things like pasta, oil, flour and sugar we don’t have to buy anything else much and food from the garden it always fresh and delicious!

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And I fully took advantage of the fact that we now had our „own“ kitchen. I currently brew kombucha, water kefir and ginger ale, which provides us with all the fresh and sparkling drinks in these now hot summer days. In addition, we maintain a sourdough „Mother“, a mixture of the leaven of Bee in Western Australia and the leaven of a friend. Also my friend Hermann from Germany gave me yet another pet last year: a Hermann-friendship cake! 😀 But I had to put him down some time ago, because he was extremely hungry and summer here is somehow not the right season for one cake a week. We make our own sauerkraut, cook kumquat and plum jam, produce weed pesto, dry our own herb mixtures from the garden and I’m experimenting with raw food cakes. Since you can buy unpasteurized, unhomogenised milk here (which is marketed as bath milk tough and is not suitable for human consumption…), we also produce two liters of yogurt weekly and experimented with ricotta and mozzarella production. Conclusion: Cheese making is quite complicated… Oh, and we have now also harvested our first honey from the garden. But more on that later…

Besides all these housewife activities Matze and I did a few trips together with friends. One time we went with Synti to a huge nature reserve east of the city, where we admired abandoned but restored farms and orchards of the first European settlers, crossed rivers barefoot, gathered delicious „weeds“ and saw our first Echidna waddling around us and diving for ants.

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Another time we went along with Haithum and Alejandra on a tour exploring five community gardens within 5 km in Brunswick. It was great to see so different aspects in community gardens and how various systems of communication and composting were used in each garden.

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A highlight last year was a visit from my parents in October. Although they had been looking forward to a warm spring, it unfortunately rained for the entire week and Melbourne lived up to its reputation for having unpredictable weather. To make them familiar with the new world around them we went on a Melbourne by Foot Tour with them. Our tour guide’s focus was on the history of Melbourne and it’s street art scene. We all learnt a lot in these three hours. Once in the CBD we managed by chance to pop into the really inner-city community garden „Pop Up Patch“ and marveled at how much food you can grow in two cubic feet of space. Together we explored the Immigration Museum of Victoria, which thankfully made no secret of the everyday racism of many Australians. Of course we showed my parents the sights of C.E.R.E.S., the „pay-as-you-feel“ restaurant „Lentils as Anything“ and the highlight of our domicile: The Garden 😉 In the Melbourne Botanical Gardens, we joined the Aboriginal Heritage Walk and explored the fern jungle of the park. As the weather turned better, we rented a car and explored the Mornington Peninsula, located in the south-east of Melbourne along Port Phillip Bay. A highlight here was the garden of Heronswood, which belongs to a national garden association called „Digger’s Club„. The Digger’s Club maintains and cultivates heirloom seeds and politically argues in favor of open pollinated varieties and against genetically modified, proprietary seeds. In Heronswood one can see how beautiful a vegetable garden can be if designed for it. The restaurant serves food grown in the garden and the view over the bay is fantastic. The next day we drove into the Yarra Valley wine region north-east of Melbourne to the Healesville Sanctuary. Here my parents saw their first koalas and we were able to see snoring wombats, cuddling Tasmanian devils and jogging dingoes. In the spectacular show of the birds of prey the animal carers also stressed the environmental message of the park, namely, that the protection of the Australian forests – and thus the birds – would be greatly helped by buying recycled toilet paper, which is not made from freshly felled trees 400 years old. Their slogan is “Wipe for Wildlife”. After our action-packed week my parents hopped on the ferry to Tasmania for a week and explored the seventh state of Australia. When they were back in Melbourne, we explored yet together the city’s beaches. And when they had just really got used to the 10-hour time difference, the twist of north and south and all the wrong-way drivers here, they had to again climb into the plane and the whole mess started all over again 😉

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Besides all this, I also joined a course at CERES called „The Complete Urban Farmer“. As a result of this course a worm farm, a mushroom farm and a proper compost pile were added to our small town farm. And bees! Hermann had bought a second hand beehive bees included and then sat it down at our place because he does not have a garden. Since then, the bees are a highlight of my garden tours for friends and we have harvested our first honey last week!

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There would be so much more to tell here, but I must always leave a couple of stories to tell you another time. For now I want to finish with saying, that there is a lot of Permaculture going on in Melbourne and I have not yet seen most it. After Christmas Kim, Matze and I went by ferry to Tasmania. But also this is another story…

Lots of love,

Julia

For the English version just click here.

Hallo Zusammen!!

Nun, da ich gerade mal so schön am Schreiben bin, geht es hier gleich weiter mit den Ereignissen der letzten sage und schreibe sechs Monate. Das letzte halbe Jahr waren wir (und ich bin es noch) in der Stadt mit den vier Jahreszeiten pro Tag: Melbourne.

Melbourne's streets

Nachdem wir mit Tom, dem WWOOFer vom Food Forest zusammen nach Melbourne gekommen waren, mussten wir uns erstmal wieder in dem Gebilde STADT zurecht finden. Nach über sechs Monaten Landleben gar nicht so einfach, vor allem, weil wir gleichzeitig noch eine Wohnung, Geld, Freunde und Permakultur finden wollten. Also, der Reihe nach…

Eine Wohnung fanden wir nach über 12 Besichtigungsterminen in vier Wochen. Darunter waren Häuser, bei denen es im Wohnzimmer reinregnete und Häuser, bei denen wir für ein Zimmer pro Person und Woche 200 Dollar bezahlt hätten… gar nicht so einfach, die Immobiliensuche hier. Ok, wir wollten auch einen Garten haben und nicht nur mit 19jährigen Deutschen zusammen wohnen, wir waren also etwas wählerisch. 😉 Auf den Tipp einer Freundin hin suchte ich auch mal bei der Airbnb, wo man Zimmer für z.B. Wochenendetrips finden kann. Eines der Häuser im Stadtteil Brunswick gefiel uns und ich fragte den Vermieter Kim, ob wir auch so naja naja 5 Monate bleiben könnten. Nach einem Kaffeeplausch bei ihm im riesigen (!) Gemüsegarten stimmte bei Matze, Kim und mir das Bauchgefühl und wir zogen nach vier Wochen endlich aus dem Hostel aus und bei Kim ein. Ein weiterer ständiger Mitbewohner ist Ryo, ein Koch aus Japan und Ren, Ryo‘s kleiner Hund. Und endlich hatten wir einen Garten, in dem ich mich so richtig auslassen konnte. Große Freude!

Ren and me in hammock

Ren und ich  in der Hängematte

Matze fand nach einer Woche bereits Arbeit bei einer Architekturfirma, die ihr Bürogebäude ausbauen wollte und dafür einen Zimmermann und Handwerker suchte.  Ich beneide ihn immer, wenn er so schnell Arbeit findet. Ich tue mich schwer mit Arbeit finden hier (bin aber auch wählerisch), habe aber schon bei einer Garten-/Landschaftsbau-Firma ausgeholfen und gärtnere für einige Privatkunden. Einmal half ich auf dem Messestand von DER Permakulturfirma in Melbourne, VEG – Very Edible Gardens. VEG bietet Permakulturdesign und –umsetzung neben Büchern und Seminaren an. Hier konnte ich den Messebesuchern einen mobilen Obsthain mit integriertem Hühnerauslauf erklären und vielen Leuten Mut machen, das sogar Gemüseanbau auf dem Balkon möglich ist.

Freunde finden dauerte eine Weile, auch weil Sarah, die wir noch aus Perth kannten, tief in ihre Arbeit versunken war und wir uns kaum sahen. Aber Leute kennen lernen ging dann besonders bei mir einher mit dem letzten Punkt: Permakultur! Schon nach zwei Wochen in Melbourne hatte ich zwei Gemeinschaftsgärten in Melbourne erkundet, den Garten „VegOut“ in St. Kilda und den Gemeinschaftsgarten der Collingwood Childrens Farm und fing an, bei C.E.R.E.S. zu arbeiten.

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C.E.R.E.S. steht für „Centre for Education and Research in Environmental Strategies“ und wurde in den achtziger Jahren auf einer damaligen Müllkippe gegründet mit der Vision, einen Platz für Gemeinschaftsprojekte, Jobs und Gärten zu schaffen. Knapp 30 Jahre später ist aus der Müllkippe eine Oase geworden mit Märkten, Läden, Cafés, Teichen, Gemeinschaftsgärten, Spielplätzen, Hühnern und vielem mehr. Ich hatte mich gleich zu Beginn bei der Pflanzenvermehrung der Permakultur-Baumschule von C.E.R.E.S. als Ehrenamtliche beworben und wurde auch genommen. 😉 Hier arbeitete ich ein- bis dreimal die Woche mit Meg und Olivia zusammen, die die Volontäre koordinieren und Neulinge einweisen. Hier lernte ich alles von Samen aussäen, Jungpflanzen vereinzeln, Pflanzen vermehren durch Stecklinge und Wurzelstecklinge und was es alles für faszinierende Gemüsevarianten in Australien gibt. So säten wir im australischen Frühjahr ganze 30 verschiedene Sorten Tomaten aus! Außer den handwerklichen Fähigkeiten konnte ich hier auch ein System an gut durchdachten Arbeitsabläufen beobachten, denn trotz dass viele Laien und Neulinge hier arbeiten, kommt es zu wenigen Fehlern und alles ist schnell erklärt. Außerdem werden natürlich nur freie Bio-Samensorten verwendet und die Jungpflanzen, die beim Vereinzeln aus den Töpfen fliegen, werden den Hühnern nebenan als Mikrogreens aufgetischt. Ein weiterer, großartiger Vorteil meiner Arbeit hier ist, dass die Pflanzen die nicht in der Baumschule verkauft werden können, von den Freiwilligen mit nach Hause genommen werden können. Das hat den Garten von unserem WG-Haus extrem bereichert und wir haben es so immerhin auf 13 verschiedene Sorten Tomaten geschafft! 😀

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Und damit kommen wir zu einem Herzstück meines bisherigen Schaffens in Brunswick a.k.a Melbourne… der Garten. Der Name unseres Stadtteils Brunswick kommt von den ehemalig deutschen Einwanderen, die den Ort Braunschweig nannten. Es gibt hier übrigens auch Stadtteile namens Coburg, Altona und Heidelberg, sind alles unsere Nachbarn! In den 50er Jahren war Brunswick aber ausschließlich bewohnt von Griechen und Italienern, was uns den Segen von extrem guten Läden in unserer Umgebung verschafft hat. Heute wohnen hier auch viele Libanesen, Türken und Afghanen, was die Palette an Köstlichkeiten nur erweitert! Besonders die griechischen und itailienischen Einwanderer pflegten vollgepackte Gemüsegärten, denn viele ihrer Standardgemüsesorten gab es damals in Australien einfach noch nicht. So brachten sie den „englischen“ Australiern z.B. Brokkoli, Endivien und Auberginen mit. Viele Häuser in Brunswick haben also Gärten… und ich denke in unserer Straße haben wir den Größten! 😀

We also have the biggest sunflowers!

Wir haben auch die größten Sonnenblumen!

Kim nutze den Garten schon seit Jahren und als wir einzogen, wuchsen gerade Dicken Bohnen, Rhabarber und viel Mangold. Ich schleppte ja schon eine Weile jede Menge Samentüten mit mir rum und so kamen bald verschiedenste Salate, Radieschen und Möhren dazu. Als wir uns Ende August langsam dem australischen Frühjahr näherten, legten Matze und ich mehrere No-Dig-Kartoffelbeete an, also neue Beete ohne umgraben. Dazu wird einfach Zeitung auf die Wiese gelegt, die Saatkartoffeln im richtigen Abstand darauf, worauf dann abwechselnde Schichten aus Stroh und Mist folgen. Klappte super und auf diese Art wachsen inzwischen sechs verschiedene Sorten Kartoffeln bei uns. Auch durch meine Tätigkeit bei C.E.R.E.S. und  – zum Verhängnis meiner Geldbörse – dessen fantastischer Permakultur-Baumschule, kamen viele neue Pflanzen und Samen dazu, so dass wir jetzt gelbe Paprikas, violette Erbsen, weiße Auberginen, gelbe UFO-Zucchinies, verschiedene Sorten Zuckermais, eine Minzsammlung, verschiedene Chillies, monstermäßige Sonnenblumen und mindestens drei verschiedene Sorten Gurken haben. Bis auf Dinge wie Nudeln, Öl, Mehl und Zucker müssen wir eigentlich nichts einkaufen und es ist immer frisch und lecker!

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Und: Ich nutzte die Tatsache, dass wir nun eine „eigene“ Küche hatten, so richtig aus. Ich fermentiere zur Zeit Kombucha, Wasserkefir und Ginger Ale, was für all die frisch-spritzigen Getränke in diesen inzwischen warmen Sommertagen bei uns sorgt. Außerdem pflegen wir noch eine Sauerteig-„Mutter“, eine Mischung aus dem Sauerteig von Bee in West Australien und dem Sauerteig einer Freundin. Mein Freund Hermann aus Deutschland gab mir letztes Jahr auch noch ein weiteres Haustier: Einen Hermann-Freundschaftskuchen 😀 Ich habe ihn aber vor einiger Zeit eingeschläfert, da er extrem hungrig war und Sommer hier irgendwie nicht die richtige Jahreszeit für einen Kuchen pro Woche ist. Wassermelonen passen eher… Wir machen unser eigenes Sauerkraut, kochen Kumquat- und Pflaumenmarmelade, stellen Unkrautpesto her, trocknen eigene Käutermischungen aus dem Garten und ich experimentiere mit Rohkost-Kuchen. Da man hier auch unpasteurisierte und unhomogenisierte Milch kaufen kann (die aber als Bademilch vermarktet werde muss und auf keinen Fall für den menschlichen Verkehr geeignet ist…), machen wir auch pro Woche zwei Liter Joghurt und haben uns auch schon am Herstellen von Ricotta und Mozarella versucht. Fazit: Käse machen ist ganz schön kompliziert… Achja, und Honig aus dem Garten haben wir inzwischen auch schon geerntet. Aber dazu später mehr.

Neben diesen ganzen Hausfrauentätigkeiten habe ich mit Matze zusammen auch immer mal Ausflüge mit Freunden zusammen unternommen. So waren wir zum Beispiel mit Synti in einem riesigen Naturschutzgebiet östlich der Stadt, wo wir verlassene aber restaurierte Höfe und Plantagen der ersten europäischen Siedler bestaunten, barfuss Flüsse durchquerten, leckeres „Unkraut“ sammelten und unseren ersten Echidna sahen, der ganz unscheu um uns herumschnuffelte und Ameisen schlürfte.

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Ein anderes Mal haben wir uns mit Haithum und Alejandra zusammen einer Führung durch ganze fünf Gemeinschaftsgärten im Umkreis von 5km in Brunswick angeschlossen. Die Führung machte die vielen Facetten von Gemeinschaftsgärten sichtbar und war extrem inspirierend. Außerdem konnten wir uns hier verschiedene Systeme von Kommunikation und Kompostierung in den unterschiedlichen Gärten ansehen.

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Ein weiterer Höhepunkt des letzten Jahres war auch der Besuch meiner Eltern im Oktober. Obwohl sie sich auf einen freundlichen Frühling gefreut hatten, regnete es leider eine Woche lang und Melbourne machte seinem Ruf für unvorhersagbares Wetter alle Ehre. Zum Einstieg in die neue Welt machten wir mit ihnen eine Stadtführung zu Fuß, wobei der Fokus unseres Leiters auf der Entstehungsgeschichte Melbourne’s und der Straßenkunstszene lag. Auch Matze und ich lernten in den drei Stunden noch so einiges dazu. Dann kamen wir durch Zufall in den wirklich innerstädtischen Gemeinschaftsgarten „Pop Up Patch“ und staunten, wie viel Essen man in zwei Kubikmeter Raum anbauen kann. Wir erkundeten zusammen das Einwanderungsmuseum von Victoria, was dankenswerterweise keinen Hehl aus dem Alltagsrassismus vieler Australier machte. Natürlich zeigten wir meinen Eltern die Sehenswürdigkeiten von C.E.R.E.S., das „Zahl-nach-Gefühl“-Restaurant „Lentils as Anything“ und die Sehenswürdigkeit unseres Domizils: Den Garten 😉 Im Botanischen Garten von Melbourne schlossen wir uns dem von einem Aboriginal geleiteten Heritage Walk an und erforschten den Farndschungel des Parks. Als das Wetter besser wurde, liehen wir uns ein Auto aus und erkundeten zusammen die Mornington Peninsula, die südöstlich von Melbourne gelegene Halbinsel entlang der Port Phillip Bay. Ein Höhepunkt hier war der Garten von Heronswood, der dem landesweiten Gartenverband „Digger’s Club“ gehört. Der Digger’s Club erhält und züchtet Traditionssaatgut und setzt sich auch politisch für freie Sorten und gegen gentechnisch verändertes, firmeneigenes Saatgut ein. In Heronswood kann man sehen, wie schön ein Gemüsegarten wirklich gestaltet sein kann, im Restaurant Frisches aus dem Garten essen und dann satt den fantastische Blick über die Bucht genießen. Am nächsten Tag fuhren wir in die Weinregion Yarra Valley nordöstlich von Melbourne zum Healesville Sanctuary. Hier gab es dann die ersten Koalas für meine Eltern und wir konnten Wombats schnarchen, Tasmanischen Teufeln kuscheln und Dingos joggen sehen. Außerdem gab es noch eine spektakuläre Flugshow zu bewundern. Bei dieser Gelegenheit betonten die Tierpfleger auch die Umweltbotschaft des Parkes, nämlich, das zum Schutz der australischen Wälder – und damit der Vögel – jeder recyceltes Klopapier bevorzugen sollte, welches nicht aus frisch gefällten 400 Jahre alten Bäumen hergestellt wird. Nach unserer ereignisreichen Woche zu viert setzten sich meine Eltern auf die Fähre nach Tasmanien und schauten sich eine Woche den siebten Bundesstaat Australien‘s an. Als sie wieder in Melbourne waren, erkundeten wir noch zusammen Melbourne‘s Strände. Als sie sich gerade so richtig an die 10stündige Zeitverschiebung, die Verdrehung von Nord und Süd und all die Geisterfahrer hier gewöhnt hatten, mussten sie auch schon wieder in den Flieger steigen und die ganze Verwirrung ging von vorn los 😉

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Neben all dem machte ich auch noch einen 14wöchigen Kurs bei C.E.R.E.S. mit, der mich zum kompetenten Stadtbauern ausbilden sollte. Der Kurs hieß „The Complete Urban Farmer“ und ich habe zu diesem Kurs einen eigenen Artikel geschrieben. Im Ergebnis dieses Kurses kamen zu unserer kleinen Stadtfarm auch noch ein Wurmfarm, eine Pilzzucht und ein fachgerechter Komposthaufen hinzu. Und Bienen! Hermann kaufte sich nämlich einen Bienenstock samt Bienen aus zweiter Hand und stellte ihn dann bei uns ab, da er keinen eigenen Garten hat. Seitdem sind die Bienen ein Highlight meiner Gartentouren für Freunde und wir haben letzte Woche zum ersten Mal Honig geerntet!

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Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen hier, aber ich muss mir ja auch noch ein paar Geschichten aufheben, die ich euch ein anderes Mal erzählen kann. Jetzt jedenfalls möchte ich schließen damit, das in Melbourne permakulturell einiges läuft und ich noch lange nicht alles davon erkundet habe. Nach Weihnachten sind Kim, Matze und ich erstmal mit dem Schiff nach Tasmanien gefahren. Aber auch das ist eine andere Geschichte…

Alles Liebe,

Eure Julia

Für den deutschen Artikel klick einfach hier.

Hello my dear friends!

Yes, I’m still alive, even if this blog seemed to give another impression for quite some time… I therefore don’t procrastinate any longer and start my report of my stay with Annemarie and Graham Brookman on their award-winning Permaculture farm “The Food Forest”.

Matze and I had crossed the Nullabor in April 2013 and for a while we explored the compared to Western Australia more urbane Adelaide, the capital of South Australia. Matze then went to work on a huge sheep station in the outback of the state. He wanted to quickly gather the required working days for the second Working Holiday Visa in Australia. I instead went as a WWOOFer to the little town of Gawler near Adelaide to the Brookmans. I had heard of them already at the European Permaculture Convergence (EUPC) 2012 and was quite happy when they thought they had just enough time for another WWOOFer… lucky me!

Botanischer Garten in Adelaide - Botanical Garden in Adelaide

Botanischer Garten in Adelaide – Botanical Garden in Adelaide

Annemarie and Graham had met in the Netherlands and returned together to Graham’s hometown Adelaide, where they started their now 15-hectare big farm in the 80s. Both have studied agriculture, but were also always on the lookout for a more local and environmental friendly way of life and making a living. A trip around the world was to bring the answer and they saw many examples of sustainable coexistence with the environment in Asia and Africa, but how could this possibly work in Australia? One day back on the Red Continent Graham happened to come across the book “Permaculture One” by David Holmgren and Bill Mollison and the answer to this question was within reach. It was the beginning of their next exciting journey.

When they had saved up enough money for the land and had purchased it, there was just a single tree on the whole farm. Today you can find in the Food Forest over a thousand pistachio trees, carob trees, walnut and pecan nut trees, apple and pear trees, lots of citrus trees, Australian bush foods, guavas, apricots, plums and a prolific vegetable garden, that grows enough food for their family, friends and WWOOFers and dozens of kilos of produce to sell on the fortnightly Adelaide farmer’s market. More than 150 different varieties of fruits and vegetables grow on the farm, some of whom I never heard of before. So I tried for the first time in my life Strawberry Guava, Tangelo, Lilli Pilly and White Sapote, the taste of the latter one I can only describe as melted butterscotch vanilla pudding… yummy! 😀

In my first two weeks there I helped mostly in the vegetable garden, where I finally understood the real meaning of a hoe, admired Annemarie’s planting speed, harvested, picked and packed all kinds of fruits and vegetables for the farmer’s market – on which I also helped a couple of times – and planted native species on an extremely steep slope to prevent erosion along the farm’s creek. It was late April / early May and my first autumn in Australia. Also on the farm with me was Sarwa, another WWOOFer from Chile and always before a market the house got full of more helping hands from Kath, Sarah, Anna and others. I lived in a straw bale studio, used a nice composting toilet , every day there was delicious food fresh from the garden, Graham’s home-brewed beer or wine from their farm and so much knowledge and experience to observe and to learn from them that I hardly found the time to devote myself to their library full of great books 😉

After two weeks on this truly inspiring place I wanted to go help with the olive harvest on another farm, which was canceled after two weeks of picking, because the olives were still too green for oil pressing.

Eukalyptusblüte - Gum tree flower

Eukalyptusblüte – Gum tree flower

Fortunately, I was able to go back and great things were about to happen in the Food Forest… Because Brookmans do not only manage their farm, they are also active in environmental projects in their community, work as consultants, give tours, teach Permaculture at TAFE, write articles, make films and regularly organise seminars on their farm on topics such as Permaculture, organic fruit and veggie growing, sustainable house design and building with straw bales. And one of their straw bale building workshops was just around the corner. If we could only find a carpenter… 😉 Matze was not hard to convince and came to the Food Forest in early June. And so the story of Cosy Cottage began.

Graham wanted to build a small hut during the upcoming straw bale building course. It was to be built in a remote corner of the orchard, so one can find shelter there from the rain or guests can enjoy a night among the free roaming geese. While the straw bale walls were going to be build during the workshop days, the foundation, the wooden framework and the roof had to be ready in advance. So we had a week to go before the course and with the help of an excavator, Graham and Julia from Spain, we managed to have a roof over your heads at the evening before the workshop.

Lance Kairl from “House of Bales” is an experienced straw bale builder and was in charge of the practical part of the workshop. With the help of about 20 participants we were able to finish the three straw bale walls and despite strong winter rains we finished the first of three coats of cement render during the two workshop days. Nick, one of the workshop participants, stayed on for a few days and together we built a fin-shaped wall attached to Cosy Cottage to block out some traffic noise.

Over the following three weeks Matze installed a second-hand window and a glass front window / sliding door combination amongst other things, while I waterproofed the wooden parts of the hut and Tom, another WWOOFer paved the floor. Besides that there was always plastering happening, where I became quite close with the concrete mixer 😉 Three coats of render are needed to make a straw bale wall waterproof and resistant to weather and Graham, Andrew and Tom helped us getting the job done.

After about a month’s work Cosy Cottage was finished and sat shining on its hill surrounded by walnut and fig trees. Matze and I celebrated this with a hut warming overnight stay and Anne Marie made ​​us a picnic basket with chocolate and beer 🙂

Einweihungsfeier von Cosy Cottage - Cosy Cottage hut warming party

Einweihungsfeier von Cosy Cottage – Cosy Cottage hut warming party

Besides Cosy Cottage there was of course regularly a market to prepare and I also learned how to spur prune the grapes in Brookman’s vineyard, which was an extremely meditative task. On top of all that we were fortunate that during our stay three courses were scheduled in the Food Forest, where we could participate in. The workshop topics were “Organic fruit and nut growing”, “Organic vegetable growing and poultry” and “Sustainable house design”. In the first two seminars Annemarie and Graham explained everything from how to analyse and improve your soil, choosing suitable varieties, grafting, how to stack your vegetable crops in time and space, how to find out whether your chook is ready for laying eggs and how to catch a goose. In “Sustainable house design” we learnt about what to consider when placing a house, passive solar design, the use of thermal mass and insulation, different building materials, gray water treatments and uses, composting toilet systems and renewable energy sources.

After a total of ten weeks at this fabulous farm full of activity and experience, we were able to tear ourselves away – because at some point we had to move on – and went with Tom to Melbourne.

In my opinion, the Food Forest is one of the most demonstrative and successful Permaculture projects I have seen so far, because it combines Permaculture design and principles with more “conventional” agricultural and horticultural methods. This enables Brookman’s gardens and plantations to be easily worked and very productive. Thus the principles and ideas behind the design of the Food Forest remain accessible to people who have worked exclusively conventional until then and they are encouraged to try new or more sustainable methods. The workshops I experienced as top-notch, rich in information based on experience and practical exercise, entertaining and professional. You can tell that Annemarie and Graham love what they teach. It was a pleasure to live and work together with them and there was so much to learn that I still rave about these weeks at the Food Forest!

Thanks to Annemarie and Graham, thanks for reading along and sunny greetings,

Julia

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Hallo meine Lieben!!

Jaaa, es gibt mich noch, auch wenn es in diesem Blog sehr, sehr lange nicht danach aussah… Ich schwinge mich daher ohne lange Vorrede in meinen Bericht von meinem Aufenthalt bei Annemarie und Graham Brookman und ihrer preisgekrönten Permakulturfarm „The Food Forest“.

Matze und ich hatten im April 2013 die Nullabor durchquert und uns einige Zeit das schon etwas weltgewandtere Adelaide angeschaut, die Hauptstadt Südaustraliens. Dann ging Matze auf eine riesige Schaffarm ins Outback arbeiten, da er schnell die geforderten Arbeitstage für das zweite Working Holiday Visa in Australien ableisten wollte. Ich ging stattdessen als WWOOFer nach Gawler zu den Brookmans. Ich hatte schon auf der Europäischen Permakulturkonferenz – EUPC 2012 von ihnen gehört und war ziemlich glücklich, als sie meinten, sie hätten gerade Platz für einen weiteren WWOOFer… mich.

Boanical Garden in Adelaide

Botanical Garden in Adelaide

Annemarie und Graham hatten sich in den Niederlanden kennen gelernt und kehrten zusammen in Graham’s Heimatstadt Adelaide zurück, wo sie in den 80ern ihre heute 15 ha große Farm starteten. Beide haben Landwirtschaft studiert, waren aber auch schon immer auf der Suche nach einer ganzheitlichen und zukunftsträchtigen Art vom Leben und Arbeiten mit der Erde. Eine Weltreise sollte die Antwort bringen und sie entdeckten viele Beispiele an nachhaltigem Zusammenleben mit der Umwelt in Asien und Afrika, aber wie sollte das in Australien funktionieren? Zurück auf dem Roten Kontinent fiel Graham eines Tages das Buch „Permakultur Eins“ von David Holmgren und Bill Mollison in die Hände und die Antwort auf diese Frage war zum Greifen nah. Es war der Beginn ihrer nächsten spannenden Reise.

Als die beiden ihr Grundstück zusammengespart und gekauft hatten, stand auf der ehemaligen Weide gerade mal ein Baum. Heute findet man im Food Forest über tausende Pistazienbäume, Johannisbrotbäume, Wal- und Pekannussbäume, Apfel- und Birnenbäume, jede Menge Citrusfrüchte, australische „Bush Foods“, Guaven, Aprikosen, Pflaumen und einen sagehaften Gemüsegarten, der Essen für Familie, Freunde und WWOOFer und dutzende Kilo Gemüse für den zweiwöchentlichen Bauernmarkt produziert. Mehr als 150 verschiedene Obst- und Gemüsesorten gibt im Food Forest zu bestaunen und zu probieren, so dass ich zum Beispiel zum ersten Mal in meinem Leben Erdbeer-Guave, Tangelo, Lilli Pilly and Weiße Sapote probiert, wobei ich den Geschmack der Sapote nur als geschmolzener Buttertoffeevanillepudding beschreiben kann… lecker! 😀

In den ersten zwei Wochen half hauptsächlich ich im Gemüsegarten, wo ich endlich den wirklichen Sinn einer Hacke verstand und Annemarie’s Pflanzgeschwindigkeit bewunderte, beim Ernten, Vorbereiten und Packen von allerlei Obst und Gemüse für den Wochenmarkt – auf dem ich dann auch mit verkaufen half – und beim Bepflanzen eines extrem steilen Hangs als Erosionsschutz entlang des Baches, der sich an der Farm entlang schlängelt. Es war Ende April / Anfang Mai und mein erster Australischer Herbst. Außer mir war auch noch Sarwa aus Chile als WWOOFer auf der Farm und immer vor einem Markt war das Haus voll mit noch mehr helfenden Händen von Kath, Sarah, Anna und anderen. Ich wohnte in einem Strohballenhaus, benutzte eine schöne Komposttoilette, es gab jeden Tag superleckeres Essen frisch aus dem Garten, Graham‘s selbstgebrautes Bier oder Wein von ihreren Trauben und so viel Wissen und Erfahrung bei den Beiden zu beobachten oder zu erfragen, dass ich kaum noch Zeit hatte, mich all ihren tollen Permakulturbüchern zu widmen 😉

Nach zwei Wochen an diesem wirklich inspirierenden Ort ging ich als Helfer zu einer Olivenernte, die aber nach zwei Wochen Pflücken abgesagt wurde, weil die Oliven noch zu grün zum pressen waren.

Gum tree flower

Gum tree flower

Glücklicherweise konnte ich wieder zum Food Forest zurück und es bahnte sich Großes an… Denn Brookmans bewirtschaften nicht nur ihre Farm, sie sind auch in Umweltprojekten ihrer Gemeinde tätig, arbeiten als Berater, geben Führungen, unterrichten Permakultur an der Uni, schreiben Artikel, machen Filme und veranstalten regelmäßig Seminare auf ihrer Farm zu Themen wie Permakultur, Biologischer Obstanbau, Nachhaltiges Bauen und Strohballenhäuser. Und einer ihrer Strohballenhaus-Workshops stand kurz vor der Tür. Wenn sie nur einen Zimmermann finden würden… 😉 Matze musste nicht lange überredet werden und kam Anfang Juni auch zum Food Forest. Und damit begann die Geschichte von Cosy Cottage.

Graham wollte innerhalb des Strohballenhaus-Seminars eine kleine Hütte in eine entfernte Ecke der großen Obstplantage bauen, damit man sich bei Regen unterstellen kann oder Gäste eine Nacht inmitten der freilaufenden Gänse verbringen können. Innerhalb des Workshps sollten dabei die Wände aus Stohballen gebaut werden, während das Fundament, die Pfosten und das Dach vorher fertig sein mussten. Wir hatte also eine Woche Zeit bis zum Workshop und mit Hilfe von eines Baggers, Graham und Julia aus Spanien schafften wir es bis zum Vorabend des Workshops ein Dach über dem Kopf zu haben.

Der praktische Teil des Workshops wurde geleitet von Lance Kairl von „House of Bales“, einem erfahrenen Strohballen-Baumeister, und mit Hilfe der etwa 20 Teilnehmer standen innerhalb der zwei Seminartage die drei Strohwände und trotz starkem Winterregen schafften wir es es auch, den ersten von drei Zementputz-Anstrichen fertig zu stellen. Nick, ein Kursteilnehmer, blieb ein paar Tage länger und zusammen bauten wir eine flossenförmige Schallschutzwand an Cosy Cottage an.

In den kommenden drei Wochen baute Matze ein gebraucht gekauftes Fenster und die Glasfront, bestehend aus zwei Fenstern und einer Schiebetür, ein. Ich verpasste dem Haus derweil einen Wetterschutzanstrich und Tom, ein weiterer WWOOFer, verlegte die Fußbodenplatten. Dazwischen hieß es immer wieder „Verputzen!“, wobei ich die Mischmeisterin war und mich am Ende ganz gut mit dem Betonmischer verstand 😉 Drei Anstriche mit Putz sind nötig, um ein Strohballenhaus wasser- und wetterfest zu machen und Graham, Andrew und Tom halfen uns beim spachteln.

Nach etwa einem Monat war Cosy Cottage fertig und saß schmuck auf seinem Hügel umgeben von Walnuss- und Feigenbäumen. Matze und ich feierten dies mit einer Hütteneinweihungsübernachtung und Annemarie machte uns dafür ein Picknickkorb mit Schokolade und Bier 😀

Cosy Cottage hut warming party

Cosy Cottage hut warming party

Zwischendrin gab es natürlich immer wieder einen Markt vorzubereiten und ich lernte auch eine Variante des Rebschnittes in Brookman’s Weinberg, was eine extrem meditative Aufgabe war. Außerdem hatten wir das Glück, dass in dieser Zeit noch ganze drei Workshops im Food Forest stattfanden, an denen wir netterweise teilnehmen konnten. Die Workshopthemen waren „Ökologischer Obstanbau“, „Ökologischer Gemüseanbau und Geflügelhaltung“ und „Design für nachhaltiges Bauen“. In den ersten beiden Seminaren erklärten Annemarie und Graham alles von wie man seinen Boden analysieren und verbessern kann, welche Sorten geeignet sind, wie Veredeln funktioniert, wann man was zurückschneidet, wie man seinen Gemüsegarten zeitlich am besten ausnutzt, wie man herausfindet, ob ein Huhn bereit fürs Eierlegen ist und wie man eine Gans fängt. Bei „Design für nachhaltiges Bauen“ reichten die Themen von wo man sein geplantes Haus hinbauen sollte, passivem Solar-Design, Nutzung thermisch wirksamer Massen und Dämmung, alternative Baumaterialien, Grauwassernutzung, Komposttoilettensystemen und erneuerbare Energiequellen.

Nach insgesamt zehn Wochen an diesem sagenhaften Ort voll Aktivität und Erfahrung konnten wir uns losreißen – denn irgendwann mussten wir weiterziehen – und fuhren mit Tom zusammen nach Melbourne.

Meiner Meinung nach ist der Food Forest eines der gelungsten und überzeugendsten Permakultur-Projekte, denn es vereint Permakulturdesign und –prinzipien mit mehr „konventionellen“ landwirtschaftlichen und gärtnerischen Methoden. Dadurch sind Brookmans Gärten und Plantagen gut zu bearbeiten und haben eine sehr hohe Produktivität, wobei ich bei anderen Permakulturprojekten das geplante „Chaos“ nicht unbedingt immer vorteilhaft finde. Auch bleibt das Design des Food Forests dadurch zugänglich für Menschen, die bisher ausschließlich konventionell gearbeitet haben und die Hemmschwelle, für sie neue oder ökologischere Methoden auszuprobieren sinkt. Die Workshops empfand ich als erstklassig, sehr inhaltreich und praktisch, lustig und professionell. Man merkt Annermarie und Graham an, dass sie das unterrichten, was sie lieben. Es war eine Freude, mit ihnen zusammen zu leben und arbeiten und es gab so viel zu lernen, dass ich noch immer von diesen Wochen beim Food Forest schwärme!

Vielen Dank an Annemarie und Graham, vielen Dank fürs mitlesen und sonnige Grüße,

Eure Julia

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